Donnerstag, 28. Februar 2013

Mama, wo bist du...?

Gottes Frau, die Ashera, verschwand. Ihre Statue im Tempel von Jerusalem wurde zerstört. Warum?

Mittwoch, 27. Februar 2013

Komponist...

Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.

Victor Hugo


Dienstag, 26. Februar 2013

Buchtipp - Der Niemalslacher

Der Niemalslacher ist ein norddeutscher Roman der den Leser auf besondere Weise in die dunkelste Zeit der Geschichte und die phantastische Welt des Lachens entführt.

Sebastian wächst bei Pflegeeltern auf und ist anders, als die anderen Kinder. Er interessiert sich nicht für Fußball oder Autos ? Sebastian will Clown werden. Eines Tages begegnet er dem mürrisch-traurigen Herrn Dietrich. Herr Dietrich hat sich das Lachen abgewöhnt, weil er vor vielen, vielen Jahren sein Lachen verloren hat. Nach und nach erfährt Sebastian die tragische Geschichte des Niemalslachers, die in die dunkle Nazizeit zurückführt. Von da an hat Sebastian nur noch ein Ziel: Mit Hilfe seines Clownfreundes Pio will er dem alten Herrn Dietrich noch einmal ein Lächeln abgewinnen.

Christian Bergs Der Niemalslacher berührt den Leser emotional sowohl durch die Darstellung des 10jährigen Sebastian, der das Gefühl hat, der Welt gleichgültig zu sein, als auch durch die Zeitreise in die Welt des Niemalslachers, die den Leser dessen Geschichte förmlich spüren lässt, zumal die wahre Geschichte des Oskar Dankner in die des Herrn Dietrich verwoben und so für immer literarisch in der Welt verankert wurde.

Oskar Dankner war einer der ersten Juden in Cuxhaven, der den antisemitischen Terror des Hitlerregimes am eigenen Leibe zu spüren bekam. Die gegen ihn gerichtete Hetzkampagne gipfelte am 27. Juli 1933 in einer öffentlichen Anprangerung, bei der Dankner zusammen mit seiner angeblichen `Mätresse' Adele Edelmann, einer Nichtjüdin, mit einem Schild um den Hals durch die Straßen der Stadt getrieben und dabei auch mit einem Seil geschlagen wurde.

Christian Bergs Roman "Der Niemalslacher" fesselt den Leser durch große Erzählkunst und lässt ihn auf der Suche nach dem verlorenen Lachen auch sich selbst und ein Stück Magie wieder finden.

Freitag, 22. Februar 2013

Der angekettete Elefant

Ich kann nicht«, sagte ich. »Ich kann es einfach nicht. « »Bist du sicher« fragte er mich. »Ja, nichts täte ich lieber, als mich vor sie hinzustellen und ihr zu sagen, was ich fühle ... Aber ich weiß, dass ich es nicht kann.« 
Der Dicke setzte sich im Schneidersitz in einen dieser fürchterlichen blauen Polstersessel in seinem Sprechzimmer. Er lächelte, sah mir in die Augen
, senkte die Stimme wie immer, wenn er wollte, dass man ihm aufmerksam zuhörte, und sagte: »Komm, ich erzähl dir eine Geschichte.« Und ohne ein Zeichen meiner Zustimmung abzuwarten, begann er zu erzählen.

ALS ICH EIN kleiner Junge war, war ich vollkommen vom Zirkus fasziniert, und am meisten gefielen mir die Tiere. Vor allem der Elefant hatte es mir angetan. Wie ich später erfuhr, ist er das Lieblingstier vieler Kinder. Während der Zirkusvorstellung stellte das riesige Tier sein ungeheures Gewicht, seine eindrucksvolle Größe und seine Kraft zur Schau. Nach der Vorstellung aber und auch in der Zeit bis kurz vor seinem Auftritt blieb der Elefant immer am Fuß an einen kleinen Pflock angekettet.

Der Pflock war allerdings nichts weiter als ein winziges Stück Holz, das kaum ein paar Zentimeter tief in der Erde steckte. Und obwohl die Kette mächtig und schwer war, stand für mich ganz außer Zweifel, dass ein Tier, das die Kraft hatte, einen Baum mitsamt der Wurzel auszureißen, sich mit Leichtigkeit von einem solchen Pflock befreien und fliehen konnte.
Dieses Rätsel beschäftigt mich bis heute. Was hält ihn zurück: Warum macht er sich nicht auf und davon:
Als Sechs- oder Siebenjähriger vertraute ich noch auf die Weisheit der Erwachsenen. Also fragte ich einen Lehrer, einen Vater oder Onkel nach dem Rätsel des Elefanten. Einer von ihnen erklärte mir, der Elefant mache sich nicht aus dem Staub, weil er dressiert sei.

Meine nächste Frage lag auf der Hand: » Und wenn er dressiert ist, warum muss er dann noch angekettet werden?«
Ich erinnere mich nicht, je eine schlüssige Antwort darauf bekommen zu haben. Mit der Zeit vergaß ich das Rätsel um den angeketteten Elefanten und erinnerte mich nur dann wieder dar an, wenn ich auf andere Menschen traf, die sich dieselbe Frage irgendwann auch schon einmal gestellt hatten.
Vor einigen Jahren fand ich heraus, dass zu meinem Glück doch schon jemand weise genug gewesen war, die Antwort auf die Frage zu finden:
Der Zirkuselefant flieht nicht, weil er schon seit frühester Kindheit an einen solchen Pflock gekettet ist.

Ich schloss die Augen und stellte mir den wehrlosen neugeborenen Elefanten am Pflock vor. Ich war mir sicher, dass er in diesem Moment schubst, zieht und schwitzt und sich zu befreien versucht. Und trotz aller Anstrengung gelingt es ihm nicht, weil dieser Pflock zu fest in der Erde steckt.
Ich stellte mir vor, dass er erschöpft einschläft und es am nächsten Tag gleich wieder probiert, und am nächsten Tag wieder, und am nächsten ... Bis eines Tages, eines für seine Zukunft verhängnisvollen Tages, das Tier seine Ohnmacht akzeptiert und sich in sein Schicksal fügt. Dieser riesige, mächtige Elefant, den wir aus dem Zirkus kennen, flieht nicht, weil der Ärmste glaubt, dass er es nicht kann. Allzu tief hat sich die Erinnerung daran, wie ohnmächtig er sich nach seiner Geburt gefühlt hat in sein Gedächtnis eingebrannt.
Und das Schlimme dabei ist, dass er diese Erinnerung nie wieder ernsthaft hinterfragt hat. Nie wieder hat er versucht, seine Kraft auf die Probe zu stellen.

»So ist es, Demian. Uns allen geht es ein bisschen so wie diesem Zirkuselefanten: Wir bewegen uns in der Welt, als wären wir an Hunderte von Pflöcken gekettet.
Wir glauben, einen ganzen Haufen Dinge nicht zu können, bloß weil wir sie ein einziges Mal, vor sehr langer Zeit, damals, als wir noch klein waren, ausprobiert haben und gescheitert sind.
Wir haben uns genauso verhalten wie der Elefant, und auch in unserem Gedächtnis hat sich die Botschaft eingebrannt: Ich kann das nicht und werde es niemals können.
Mit dieser Botschaft, der Botschaft, dass wir machtlos sind wir groß geworden, und seitdem haben wir niemals mehr versucht, uns von unserem Pflock loszureißen.
Manchmal, wenn wir die Fußfesseln wieder spüren und mit den Ketten klirren, gerät uns der Pflock in den Blick, und wir denken: Ich kann nicht, und werde es niemals können.


Aus : Komm ich erzähle dir eine Geschichte von Jorge Bucay

Sonntag, 17. Februar 2013

Depression

Was ist Depression? Es ist die Unfähigkeit zu fühlen, das Gefühl, tot zu sein, während der Körper noch lebt. Es ist die Unfähigkeit, froh zu sein, genau wie man unfähig ist, traurig zu sein. Ein depressiver Mensch wäre höchst erleichtert, wenn er traurig sein könnte.

Erich Fromm, Wege aus einer kranken Gesellschaft